Bilder schlucken nur dann Schall und verbessern hörbar die Raumakustik, wenn sie eine schalloffene Oberfläche und eine Mindestdicke von 3 cm haben. Für eine sehr gute Wirksamkeit muss zusätzlich ein poröses Material im Inneren sein, das die Schallenergie aufnehmen kann.
Was gilt überhaupt als „Bild“?
Im Alltag meinen wir mit „Bild“ nicht nur Papier mit oder ohne einen Rahmen. All diese Formen werden als “Bilder” wahrgenommen:
- Echte Malereien
- Dekorative Wandbilder wie Fotoausdrucke, Kunstdrucke oder Leinwände
- Textilbespannte Rahmen, z.B. mit Filz
- Bilder mit Gipskunst oder Holzkunst
- Direkt bedruckte platten (z. B. Akustikplatten, Dibond-platten, Metallplatten, Acrylplatten)
- Großflächige Motivtapeten bzw. bedruckte Wandbekleidungen
Akustisch entscheidend ist jedoch nicht die Optik, sondern der innere Aufbau.
Welche Bilder schlucken Schall?
Schall kann von textilbespannten Akustikbildern, direkt bedruckten Absorberplatten, bedruckten akustischen Wandverkleidungen sowie mikroperforierte Bildflächen.
- Textilbespannte Akustikbilder
Diese Bauform gilt als Klassiker unter den Akustikbildern.- Aufbau:
- schalloffenes Textil mit Motivdruck
- dahinter ein poröser Absorberkern (z. B. Akustikschaum, Mineral‑ oder Polyesterfaser)
- Wirkung:
- reduziert Nachhall
- verbessert Sprachverständlichkeit
- senkt Höranstrengung
- Aufbau:
- Direkt bedruckte Absorberplatten
Hier wird das Motiv direkt auf die schallabsorbierende Platte gedruckt – ohne zusätzlichen Stoffbezug.- Typische Materialien:
- PET‑Filz / Polyesterfaserplatten
- faserige Akustikplatten mit UV‑Direktdruck
- Fachlich wichtig: Der Druck darf die Oberfläche nicht versiegeln. Geeignete Direktdruckverfahren erhalten die Offenporigkeit des Materials.
- Einordnung:
- sehr ruhige, reduzierte Optik
- häufig im Büro‑ und Objektbereich
- klare Verbindung von Gestaltung und Akustik
- Typische Materialien:
- Bedruckte akustische Wandverkleidungen
Großflächige Lösungen, die wie ein Wandbild wirken, technisch aber eine schallabsorbierende Wandoberfläche sind. Das Absorbermaterial wird hierbei direkt an der Wand befestigt. Davor wird ein Textil von gespannt – über die gesamte Wandfläche.- Einsatz:
- große Räume
- Flure, Wartezonen, Besprechungsbereiche
- architektonisch ruhige Gestaltung
- Einsatz:
- Mikroperforierte Bildflächen (Sonderlösung)
Technische Akustiksysteme mit fein gelochter Oberfläche und definierter Luft‑ oder Dämmschicht dahinter.- Einsatz:
- Akustisch wirksam, gestalterisch eher sachlich – im Wohnbereich selten.
- Hotellobby und Gänge
- Einsatz:
Übersicht: Von Bildtypen, die Schall schlucken bis Bilder, die Hall erzeugen?
| Bauform / Bildtyp | Akustische Wirkung | Warum | Typische Einordnung |
|---|---|---|---|
| Textilbespanntes Akustikbild | schallabsorbierend | Schall dringt durch ein schalloffenes Textil in einen porösen Kern und wird dort gedämpft. | Sehr gut für Sprache & Alltag (Büro, Praxis, Wohnraum) |
| Direkt bedruckte Absorberplatte (z. B. PET-Filz) | schallabsorbierend | Offenporiges, faseriges Material nimmt Schall auf; der Direktdruck erhält die Porenstruktur. | Reduzierte, moderne Optik (Büro- und Objektbereiche) |
| Akustische Wandbekleidung mit Motivdruck | schallabsorbierend | Großflächige schallabsorbierende Oberfläche wirkt wie eine integrierte Absorberfläche. | Ruhige, architektonische Lösung für größere Räume |
| Akustisch wirksame Tapeten / Wandbeläge | eingeschränkt wirksam | Dünne, offenporige Struktur nimmt Schall auf, Wirkung stark abhängig von Materialstärke und Untergrund. | Ergänzende Lösung für große Flächen ohne Bilder |
| Filzbild (dünn) | eingeschränkt wirksam | Wirkt vor allem in höheren Frequenzen, geringe Materialstärke begrenzt die Absorption. | Sinnvoll als Ergänzung, ersetzt keinen Absorberkern |
| Normale Leinwand (ohne Absorberkern) | kaum wirksam | Kein poröses Material vorhanden, Wirkung überwiegend dekorativ. | Optisch stark, akustisch meist neutral |
| Acrylglasbild | hallverstärkend | Harte, glatte Oberfläche reflektiert Schall nahezu vollständig. | In halligen Räumen besonders ungünstig |
| Glasbild / Bild hinter Glas | hallverstärkend | Glas reflektiert Schall ähnlich wie eine Fensterfläche. | Problematisch bei vielen glatten Oberflächen |
| Aluminium-Dibond / Metallkaschierung | hallverstärkend | Metallische Oberfläche reflektiert Schall stark. | Oft unterschätzt, akustisch sehr hart |
| Hochglanz- oder versiegelte Bildoberflächen | hallverstärkend | Geschlossene Oberfläche lässt keinen Schall ins Material eindringen. | Akustisch ungünstig, besonders auf großen Flächen |
| Echte Malereien (Acryl- oder Ölfarbe auf Leinwand/Platte) | hallverstärkend | Die Farbschichten bilden eine weitgehend geschlossene Oberfläche, die Schall reflektiert statt aufzunehmen. | Hochwertig und dekorativ, akustisch jedoch meist ungünstig |
schallabsorbierend
reduziert Nachhall spürbar und verbessert die Sprachverständlichkeit.
eingeschränkt wirksam
trägt leicht zur Dämpfung bei, ersetzt jedoch keine gezielte akustische Maßnahme.
hallverstärkend
reflektiert Schall und kann den Nachhall im Raum erhöhen.
Worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt
Ein Textildruck kann hochwirksam sein – oder praktisch wirkungslos. Eine Platte kann Hall reduzieren – oder ihn sogar verstärken. Wie können Sie nun also feststellen, welche Bilder Schall schlucken?
Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Motiv, sondern im technischen Aufbau.
Prüfen Sie daher diese beiden Punkte:
- Ist die Oberfläche schalloffen oder handelt es sich um eine harte, geschlossene Fläche?
- Gibt es ein poröses Material, das Schall aufnehmen kann?
Wer diese beiden Punkte beherzigt, kann Bilder gezielt auswählen – unabhängig von Stil, Farbe oder Thema – und vermeidet Investitionen, die akustisch keine Wirkung entfalten.
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
→ Akustikbilder und Absorberplatten – Zwei Best-Practice Maßnahmen gegen störenden Schall im Raum


